Manfred Peter Hein (Hg.)
Auf der Karte Europas ein Fleck

Gedichte der osteuropäischen Avantgarde
Herausgegeben von Manfred Peter Hein
1991. 464 Seiten. Gebunden

ISBN 9783250101161

»Es mutet so an, als ob wir in dieser Welt keine andere Daseinsbestimmung und keinen anderen Existenzgrund hätten, als dem Westen zu gefallen.«
F. X. Salda


Mit dieser Anthologie wird eine der spannendsten literaturgeschichtlichen Forschungsreisen der Öffentlichkeit vorgestellt. Es galt, unter der Ägide des Europäischen Übersetzer-Kollegiums, den Beitrag der vielen kleinen osteuropäischen Literaturen für ein gesamteuropäisches Verständnis der Moderne fruchtbar zu machen. In welchem Maße man fündig werden würde, war vorderhand nicht abzusehen, sind doch selbst im Westen bekannte Lyriker wie František Halas kaum hinreichend entdeckt.

Die berücksichtigte Zeitspanne, 1900 bis 1930, ergab sich zwangsläufig aus dem zusammengetragenen Textmaterial, von den Ausläufern des Symbolismus und seiner – wenn auch nicht ausnahmslosen – Überwindung im Weltkriegsjahrzehnt bis zur deutlichen Zäsur im Innovationsjahr 1930. Die hier zur Feder greifenden finnlandschwedischen, finnischen, estnischen, lettischen, litauischen, polnischen, tschechischen, slowakischen, ungarischen, rumänischen, bulgarischen, serbischen, kroatischen und slowenischen Poeten hatten ihre Daseinsberechtigung und ihren Existenzgrund im Eigenen. Jeweils »auf dem eigenen Torf« entstanden Literaturen, die sich gegenseitig kaum je über den Zaun schauten. Gemeinsam war ihnen der auf die großen kulturellen Zentren gerichtete Blick. Überraschend war dann auch, was an motivischen und poetologischen Gemeinsamkeiten zutage trat. Vielversprechend zeigt sich die Avantgarde-Anthologie aber ebenso durch »Entdeckungen« von Texten und Autoren, die literarhistorisch Kanonisiertes in den Hintergrund treten lassen.

Präsentiert werden zum überwiegenden Teil Neuübersetzungen und darüber hinaus vielfach erstmalig übertragene Texte, die in einigen Fällen selbst in der Originalsprache in Vergessenheit geraten und bis heute nicht ohne Weiteres zugänglich sind.




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