Frans Pointl
Das Huhn, das über die Suppe flog

Roman
Aus dem Niederländischen von Maria Csollány
1992. 184 Seiten. Gebunden

ISBN 9783250101703

»Ich möchte so einfach schreiben, daß die Erinnerung wahr wird.« Frans Pointl

»Das Huhn, das über die Suppe flog« sammelt wie ein zerborstener Spiegel autobiographische Geschichten, die ganz im Schatten des Holocaust stehen. Mit Lakonie seiner Verzweiflung begegnend, erzählt Frans Pointl einen Roman, seinen Roman: Während der Nazizeit in Kinderheimen und bei Bauern versteckt, ist er neben der Mutter und einem Onkel der einzige Überlebende seiner Familie. Die ersten Jahre der Kindheit, das mondäne Leben der Großeltern, die junge, selbstständige Mutter, eine begabte Pianistin – alles verschwindet vor dem Grauen dieser Jahre wie unter einer Glasglocke.

Taub und fremd steht der Junge in der Gegenwart der Nachkriegsjahre, die er zusammen mit der von ihrer Trauer völlig verzehrten Mutter durchstehen muss. Er bleibt ein Außenseiter, dessen Stigmatisierung von den verschwommenen und oft verlogenen Schuldgeständnissen der Zeitgenossen doch nur fortgesetzt wird. Wie in Gegenwehr zeichnet er auf dem schwarzen Grund seiner Trauer mit wachsamem Blick ein groteskes Panoptikum seiner Zeit.

Von der tastenden Rekonstruktion des einstigen Glücks zu den Schul- und Lehrjahren des Gefühls führt der Weg der wunderbar einfachen Sätze Pointls schließlich zu einer poetischen, erträumten Begegnung mit dem wirklichen Vater – das geheime Ziel dieser Prosa.




Impressum • Disclaimer