Jiří Kratochvil
Der traurige Gott

Roman
Aus dem Tschechischen von Kathrin Liedtke und Milka Vagadayová
Meridiane 84
2005. 192 Seiten. Leinen mit Lesebändchen

ISBN 9783250600848

»Eine keck erzählte Parabel über die Unmöglichkeit eines individuellen Daseins unter jedwedem System.« Jörg Plath, Deutschlandradio Kultur

Ales hasst seine Familie. Er hasst die Jordans, diese Anhäufung geborener Opportunisten, hasst ihre Schamlosigkeit, aus jedem System einen Nutzen zu ziehen. Ob im Kommunismus oder in der freien Marktwirtschaft, die Jordans sind auf Tuchfühlung zu den gesellschaftlichen Schaltstellen, der Familienclan und seine mafiösen Strukturen florieren. Schwarze Schafe gibt es überall – und sie werden nach alter Sitte selbst gerichtet. Onkel Ludwig, seinerseits pädophiler Familienschreck, baumelt zu Ales’ Entsetzen alsbald am Kronleuchter, und Tante Hrbácková, so ungehorsam wie sie war, findet keinen Platz in der Familiengruft. Wäre da nicht Lucie, gleichermaßen geliebte Gattin und Cousine, dann befände sich Ales wohl schon längst unter dem familiären Damoklesschwert. Doch als er das Angebot ausschlägt, in die Rolle des Familienoberhaupts zu schlüpfen, nimmt das Verhängnis seinen Lauf.
Was klingt wie ein klassischer Mafiaroman mit surrealen Momenten, entpuppt sich bald als hintersinnige Parabel über den Totalitarismus im 20. Jahrhundert. Mit spielerischer Leichtigkeit und mährischem Witz erzählt Jiří Kratochvil, einer der »kühnsten Autoren der neuen tschechischen Literatur« (Peter Demetz, FAZ), eine schier unglaubliche Geschichte.




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