Hans Sahl
Memoiren eines Moralisten

Erinnerungen
1983. 220 Seiten. Leinen

ISBN 9783250100171

»Memoiren sind Abfallprodukte der Wirklichkeit, nicht diese selbst, die zu bewältigen sich der Roman als ein nie erreichtes Ziel gesetzt hat.« Hans Sahl

Nachdem Hans Sahl in seinem Roman »Die Wenigen und die Vielen« (1959) Erlebtes verschlüsselt und unkenntlich gemacht hat, das Reale als Vorlage der Romanhandlung genommen hat, spricht er in seinem neuen Buch Namen und Ereignisse deutlich an – erzählt sein Leben und ein Stück deutscher Geschichte von 1902 bis 1933. Dabei hilft die Chronologie, die Sahl aber nicht als bindend versteht: Er blickt zurück, nimmt vorweg, teilt die Ereignisse auf. Dem Tagebucheintrag aus den 1930er Jahren folgt die Reflexion fünfzig Jahre später, der Erinnerung an die Flucht aus Deutschland folgt der Traum der Rückkehr.

Der Schriftsteller, der die Kunstgeschichte studiert hat, spricht über die Nähe des Films zur Malerei, der Kritiker berichtet über seine Anfänge im Berlin der 1920er Jahre, als seine ersten Kritiken und Aufsätze im »Montag-Morgen« und im »Tagebuch« erschienen. Man liest über Theater, Kabaret und den Film der 1920er Jahre, über die Beteiligten und die Leidtragenden, über Bertolt Brecht, Iwan Goll, Ernst Rowohlt, Asta Nielsen, Sergei Eisenstein, Valeska Gert und viele mehr.

Sahls »Memoiren« sind offen, nicht dem Zwang des Faktischen unterworfen, und sie sind Literatur, die über die Aufzählung des Erlebten weit hinausgeht.




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